Eile ist ein Zeichen: Entscheidungen unter Druck

Wenn eine wichtige Entscheidung keinen einzigen Tag Aufschub zu dulden scheint, ist sie meist noch gar nicht gefallen: Die Dringlichkeit nimmt den Platz der Überzeugung ein und drängt dazu, etwas abzuschließen, das noch nicht zu Ende gedacht ist. Deshalb lehnt Lex Fati eilige Anfragen ab. Zuerst gilt es, eine echte Frist, die ein Datum hat, schriftlich feststeht und einer Fachperson bekannt ist, von innerem Druck zu unterscheiden, der kein Datum kennt und sich von selbst erneuert. Was wirklich dringend ist – eine gesetzliche Frist, ein Notartermin, eine gesundheitliche Frage –, ist Sache Ihres Anwalts, Steuerberaters, Notars oder Arztes; alles andere verträgt ein paar Tage Abstand, und diese Tage sagen viel über die Entscheidung, die dahintersteht.

Kurz gesagt

  • Eile vor einer wichtigen Entscheidung zeigt oft, dass die Entscheidung noch nicht getroffen ist: Das Tempo ersetzt die Überzeugung und bringt den Zweifel zum Schweigen.
  • Eine echte Frist hat ein Datum, steht in einem Dokument und lässt sich von einer kundigen Person bestätigen; innerer Druck hat kein Datum, und kaum ist ein Punkt erledigt, taucht der nächste auf.
  • Was wirklich dringend ist – eine gesetzliche Frist, ein Notartermin, eine gesundheitliche Frage –, ist Sache von Anwalt, Steuerberater, Notar oder Arzt und geht jedem anderen Gespräch voraus.
  • Wir lehnen eilige Fälle ab, weil man in der Eile nicht zuhört, sondern nur auf eine Antwort wartet, und weil Eile der Moment ist, in dem man Menschen am leichtesten etwas verkaufen kann.
  • Einige Tage Abstand, mit festem Enddatum und ohne etwas zu unterschreiben oder anzukündigen, sind eine Zeit, um zu beobachten, welcher Teil der Dringlichkeit zur Sache gehört und welcher zu Ihnen.
In diesem Beitrag
  1. Warum ist eine eilige Entscheidung so oft eine, die noch nicht gefallen ist?
  2. Drei Arten von Eile, die sich gleich anfühlen
  3. Wie unterscheidet man eine echte Frist von innerem Druck?
  4. Was wirklich dringend ist, hat längst seine Fachleute
  5. Warum lehnen wir eilige Fälle ab?
  6. Was verbirgt sich oft hinter dem Gefühl, es eilig zu haben?
  7. Was fangen Sie mit ein paar Tagen Abstand an?
  8. Und wenn die Frist echt ist und die Entscheidung trotzdem nicht klar?
  9. Ein Gespräch ohne Uhr
  10. Häufige Fragen

Warum ist eine eilige Entscheidung so oft eine, die noch nicht gefallen ist?

Wer etwas wirklich entschieden hat, hat es selten eilig mit der Umsetzung. Er mag einen Zeitplan haben und vorankommen wollen, aber er muss nicht alles noch in dieser Woche erledigt sehen, um sich sicher zu fühlen. Eile entsteht vor allem dann, wenn die Entscheidung innerlich noch in Bewegung ist und man fürchtet, sie könnte sich verändern, sobald man stehen bleibt und sie ansieht.

Dann hat das Tempo eine genaue Aufgabe: Es hält den Zweifel fern. Wenn alles schnell geht, bleibt keine Zeit für die unbequeme Frage, für den Einwand, den man sich in Ruhe selbst entgegenhalten würde, für das Gespräch, das eigentlich vorher fällig wäre. So bald wie möglich unterschreiben, heute noch antworten, die Sache vor dem Wochenende vom Tisch haben: Das sind Wege, sich selbst nicht zuzuhören. Eine Entscheidung, die Tempo braucht, um zu tragen, gibt meist nach, sobald das Tempo nachlässt, und dann kommen die Reue oder, schlimmer, das Gefühl, gar nicht selbst entschieden zu haben.

Die Lagen sehen sehr verschieden aus. Ein mittelständischer Unternehmer erhält ein Kaufangebot für seine Firma mit kurzer Bindefrist und spürt, dass er nie verkaufen wird, wenn er zu lange nachdenkt. Eine Unternehmerfamilie will die Aufteilung des Vermögens noch vor Weihnachten beim Notar festhalten, damit das Thema an den Feiertagen nicht auf den Tisch kommt. Eine Person des öffentlichen Lebens will noch heute auf einen Zeitungsartikel reagieren, in dem sie genannt wird. In allen drei Fällen scheint das Datum von außen zu kommen, und in allen dreien lohnt die Frage, welcher Teil davon notwendig ist und welcher bloß Erleichterung verschafft.

Das heißt nicht, dass schnelles Entscheiden immer falsch wäre. Manche entscheiden rasch und gut, weil sie lange im Stillen nachgedacht haben und die Geschwindigkeit nur das letzte Stück eines langen Weges ist. Den Unterschied merkt man an dem, was danach bleibt. Wer entschieden hatte, unterschreibt ruhig; wer die Eile brauchte, um nicht entscheiden zu müssen, spürt vor allem Erleichterung darüber, die Sache vom Tisch zu haben.

Drei Arten von Eile, die sich gleich anfühlen

Von innen fühlt sich jede Eile gleich an: eine Anspannung, neben der kein anderer Gedanke Platz hat, der Wunsch, dass es vorbei ist, der Eindruck, dass jede Stunde zählt. Mit etwas Abstand betrachtet lassen sich aber mindestens drei unterscheiden, und jede verlangt eine andere Antwort.

Die Eile des Kalenders

Sie ist die einzige, die aus den Tatsachen kommt. Eine Klage- oder Widerspruchsfrist, die abläuft, eine Option, deren Ausübungsfrist im Vertrag steht, eine Steuererklärung, eine einberufene Gesellschafterversammlung, ein Beurkundungstermin beim Notar. Diese Eile ist echt, lässt sich überprüfen und hat eine Fachperson, die sie besser kennt als Sie. Wer sie für eine persönliche Unruhe hält, irrt ebenso wie jemand, der eine persönliche Unruhe für eine Frist hält.

Die geliehene Eile

Das ist der Kalender eines anderen, den Sie übernommen haben. Ein Käufer, der vor dem Ende seines Geschäftsjahres abschließen will, eine Bank, die für ihren Kreditausschuss eine Antwort braucht, ein Angehöriger, der vor einer Reise alles unterschrieben sehen möchte. Solche Termine können völlig berechtigt sein, aber sie gehören dem, der sie setzt, und es lohnt sich zu wissen, wie weit sie Sie binden. Schon die Frage, woher die Frist kommt und was geschieht, wenn sie um eine Woche verlängert wird, liefert eine Information, gleich wie die Antwort ausfällt; und hat die Frist rechtliche Folgen, sagt Ihnen Ihr Anwalt, was Sie tatsächlich bindet, und bei steuerlichen Folgen Ihr Steuerberater.

Die innere Eile

Sie hat kein Datum. Es ist der Wunsch, dass das Unbehagen endet, die Müdigkeit, seit Monaten dieselbe Sache im Kopf zu tragen, die Sorge, es später zu bereuen, nicht gehandelt zu haben, und manchmal das Bedürfnis, sich selbst oder anderen zu beweisen, dass man die Lage im Griff hat. Diese Eile hat eine Eigenschaft, die sie verrät: Sie erschöpft sich nicht. Ist der erste Punkt erledigt, taucht der nächste auf, der ebenso wenig warten kann, denn was drängt, ist nicht die Sache, sondern der Zustand dessen, der sie trägt.

Meist treten alle drei zusammen auf. Aus einer echten Frist von einem Monat wird eine Dringlichkeit von drei Tagen, weil die Gegenseite schneller sein will und weil Sie im Grunde möchten, dass es endlich vorbei ist. Die drei Schichten auseinanderzuhalten, ist der erste Schritt, und den können Sie allein gehen.

Wie unterscheidet man eine echte Frist von innerem Druck?

Die nützlichste Probe passt in eine Frage: Was genau geht verloren, wenn diese Entscheidung zehn Tage wartet? Nicht, was Sie fühlen, sondern was verloren geht. Schreiben Sie die Antwort in einem Satz auf, mit Subjekt, Verb und Datum. Gelingt das, haben Sie eine Frist vor sich. Bleibt der Satz vage – „die Gelegenheit ist weg“, „alles wird schlimmer“, „so kann es nicht weitergehen“ –, dann haben Sie wahrscheinlich einen Zustand vor sich.

Eine echte Frist erfüllt meist vier Bedingungen zugleich:

  • sie hat ein bestimmtes Datum und nicht bloß das Gefühl, dass etwas näher rückt;
  • sie steht irgendwo: in einem Vertrag, einem Bescheid, einer Einladung zur Gesellschafterversammlung, einer E-Mail mit einer ausdrücklichen Bedingung;
  • eine kundige Person kann sie bestätigen, in der Regel Ihr Anwalt, Ihr Steuerberater oder Ihr Notar;
  • ihr Ablauf hat eine Folge, die sich ohne Adjektive beschreiben lässt.

Innerer Druck besteht fast keine dieser Proben. Er hat kein Datum, steht nirgends, niemand sonst sieht ihn, und seine Folge wird mit Wörtern wie „unerträglich“ oder „Katastrophe“ beschrieben.

Besondere Aufmerksamkeit verdient ein Grenzfall: die echte Frist, der der innere Druck Tage abgezogen hat. Die Gesellschafterversammlung ist in einem Monat, aber Sie haben das Gefühl, morgen schon alles entschieden haben zu müssen. Der Termin ist echt, das Datum, das Sie sich selbst gesetzt haben, nicht. Fragen Sie Ihren Anwalt, was diese Frist genau verlangt und bis wann: Manchmal genügt ein Schritt – ein Schriftstück einreichen, schriftlich Stellung nehmen, erscheinen –, manchmal verlangt die Frist die ganze Entscheidung. Zu wissen, was davon bei Ihnen zutrifft, rückt den Kalender wieder in seine wirkliche Größe.

Was wirklich dringend ist, hat längst seine Fachleute

Eine gesundheitliche Frage ist Sache Ihres Arztes, und sie geht allem anderen vor. Eine gesetzliche Frist ist Sache Ihres Anwalts, eine steuerliche Pflicht die Ihres Steuerberaters, ein Beurkundungstermin die Ihres Notars und dessen, der Sie bei diesem Geschäft berät. Eine Bedrohung Ihrer Sicherheit oder der Ihrer Angehörigen ist Sache der Behörden, und zwar ohne Aufschub. In keinem dieser Fälle sind wir diejenigen, die zuerst tätig werden, und wenn Sie uns mit einem davon schreiben, sagen wir Ihnen das im ersten Gespräch.

Diese Reihenfolge vertreten wir immer; bei Dringlichkeiten wird sie noch deutlicher. Wer die Frist kennt, kennt auch den Spielraum darin: was vorgezogen werden kann, was warten darf, was jede Möglichkeit kostet. Dieses Wissen liegt bei Ihrem Anwalt oder, bei steuerlichen Fristen, bei Ihrem Steuerberater, und genau das brauchen Sie in dieser Woche. Wir erklären ausführlicher, wo die Arbeit des Anwalts aufhört und warum unser Feld erst danach beginnt.

Die praktische Folge ist einfach. Hat Ihre Angelegenheit eine echte Frist, die bald abläuft, dann führen Sie das Gespräch, das Sie jetzt brauchen, mit dieser Fachperson. Haben Sie es schon geführt und liegt die Frist in guten Händen, bleibt etwas anderes: die Entscheidung, die Sie innerhalb dieses Rahmens treffen müssen, oder die Last, sie zu treffen. Das darf ein paar Tage warten und in Ruhe bedacht werden.

Warum lehnen wir eilige Fälle ab?

Von allen Gründen, aus denen wir eine Anfrage ablehnen, gehört die Eile zu den häufigsten und zu den am wenigsten verstandenen. Wer in Eile schreibt, erwartet, dass die Dringlichkeit ihm die Tür öffnet, und stellt fest, dass sie sie schließt, zumindest für eine Weile. Das hat drei Gründe.

Der erste betrifft die Arbeitsweise. Unsere Arbeit verlangt, dass jemand zuhört, auch sich selbst, und in der Eile geschieht das nicht: Man wartet auf eine Antwort, irgendeine, die sofortiges Handeln erlaubt. Alles andere klingt wie ein Hindernis. Einen Fall in diesem Zustand anzunehmen hieße, mit jemandem zu arbeiten, der nicht ganz anwesend ist, und was unter solchen Bedingungen entschieden würde, trüge weiterhin den Stempel der Eile.

Der zweite ist eine Frage der Redlichkeit. Dringlichkeit ist der Moment, in dem man Menschen am leichtesten etwas verkaufen kann: Je bedrängter sich jemand fühlt, desto weniger fragt er, desto weniger vergleicht er und desto mehr ist er zu zahlen bereit. Manche leben davon; woran man das bei jedem Anbieter erkennt, beschreiben wir in der Notiz Woran Sie seriöse Arbeit in diesem Feld erkennen. Unsere Regel ist die umgekehrte: Eile ist ein Grund zu warten, nicht anzufangen. Einen Eilzuschlag gibt es ebenso wenig; der Betrag wird vor Beginn vereinbart und hängt nicht davon ab, wie bedrängt jemand ist. Wir erklären gesondert, wie abgerechnet wird.

Der dritte ist Respekt vor der Entscheidung. Ist eine Entscheidung noch offen, braucht sie am wenigsten jemanden von außen, der einen weiteren Grund liefert, sie zu überstürzen. In diesem Moment Nein zu sagen, heißt auch etwas anderes: dass Ihre Entscheidung mehr Zeit verdient, als Sie ihr gerade geben.

Ein Nein wegen Eile gilt dem Zeitpunkt, nicht der Person. Wir sagen es im selben Gespräch, mit Begründung, und nichts hindert Sie daran, Ihre Lage erneut zu schildern, wenn die Frist verstrichen ist, wenn Ihre Fachleute tätig geworden sind oder einfach, wenn die Dringlichkeit der eigentlichen Frage Platz gemacht hat.

Was verbirgt sich oft hinter dem Gefühl, es eilig zu haben?

Innere Eile kommt selten von ungefähr. Sie hat eine Aufgabe, und wer diese Aufgabe erkennt, sieht die Entscheidung anders. Vier davon begegnen einem häufig, oft miteinander vermischt.

Die erste ist der Wunsch, die Umstände entscheiden zu lassen. Wenn die Frist zwingt, kann niemand sagen, Sie hätten gewählt; es war eben keine Zeit. Das ist ein sehr menschlicher Weg, sich vor dem Gewicht einer Wahl zu schützen, die man nicht mit dem eigenen Namen unterschreiben will: etwa das vom Vater gegründete Unternehmen zu verkaufen oder ein Vermögen unter Kindern aufzuteilen, die kaum noch miteinander reden.

Die zweite ist ein ausstehendes Gespräch. Hinter vielen Dringlichkeiten steht ein Gespräch, dem man ausweicht: mit einem Mitgesellschafter, mit Sohn oder Tochter, mit dem Ehepartner, mit sich selbst. Schnell zu entscheiden erlaubt es, vollendete Tatsachen zu schaffen und sich diesen Moment zu ersparen. Das Gespräch verschwindet aber nicht; es wechselt nur das Thema und kommt meist später, und dann schwerer.

Die dritte ist Müdigkeit. Wer eine Sache seit Monaten im Stillen trägt, kommt an einen Punkt, an dem ihm jeder Ausweg lieber ist, als sie weiter zu tragen. Dann zählt das Ende mehr als die Güte der Entscheidung, und das sieht man dem an, was unterschrieben wird. Die Müdigkeit ist berechtigt und verdient Respekt; entscheiden sollte sie nur nicht.

Die vierte ist Gewohnheit. Manche entscheiden immer so: im letzten Moment, unter Druck, überzeugt, dass die Dringlichkeit ihnen Klarheit verschafft. Manchmal ist das jahrelang gut gegangen, in Umfeldern, in denen Tempo ein Vorteil war. Wenn Sie aber zurückblicken und sehen, dass Ihre schwierigsten Entscheidungen, jene, die Sie später bereut haben, alle dieselbe gehetzte Form tragen, dann ist die Eile kein Umstand mehr, sondern ein Muster. Wie man solche Entscheidungen als Reihe betrachtet statt einzeln, beschreiben wir in der Notiz Wenn sich ein Muster wiederholt.

Was fangen Sie mit ein paar Tagen Abstand an?

Sich ein paar Tage zu nehmen, ist kein Aufschieben. Ein Aufschub hat kein Ende, und solange er dauert, entscheidet sich die Lage von selbst; ein paar Tage Abstand haben einen Anfang, ein Ende und einen Zweck. Der Unterschied ist praktischer Natur, und man hält ihn am besten schriftlich fest, bevor man beginnt.

  1. Setzen Sie ein Enddatum. Wählen Sie einen bestimmten Tag, innerhalb des Spielraums, den eine echte Frist lässt, falls es sie gibt, und notieren Sie ihn. Ohne dieses Datum wird aus Abstand Ausweichen.
  2. Schreiben Sie die Entscheidung in einem einzigen Satz auf. Nicht das Problem, sondern die Entscheidung: „meinen Anteil verkaufen oder nicht“, „die vorgeschlagene Aufteilung unterschreiben oder nicht“. Passt sie nicht in einen Satz, ist noch nicht klar, was zu entscheiden ist, und genau das können diese Tage als Erstes klären.
  3. Unterschreiben Sie in dieser Zeit nichts, kündigen Sie nichts an und schicken Sie nichts ab, was Sie nachts geschrieben haben: kein Rücktrittsschreiben, keine Stellungnahme an die Presse, keine Nachricht an die Familie. Was nicht warten kann, ist Sache Ihrer Fachleute, und Sie erkennen es daran, dass es ein Datum hat.
  4. Beobachten Sie, was die Dringlichkeit tut. Notieren Sie jeden Tag in einer Zeile, wie stark sie drückt und was sie anfacht. Lässt sie nach, sobald niemand drängt, war sie geliehen; ändert sie sich mit Ihren Gedanken und nicht mit den Ereignissen, war sie Ihre eigene; bleibt sie gleich und behält ihre Form, dann drängt vielleicht eine Entscheidung, die gerade Gestalt annimmt.
  5. Stellen Sie sich die Grundfragen: was Sie wirklich wollen, was Sie zu verlieren fürchten, wie Sie in fünf Jahren über diese Entscheidung denken werden. Die drei Fragen vor der Entscheidung sind eine einfache Art, das zu ordnen, allein und mit einem Blatt Papier.

Was in diesen Tagen geschieht, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Manchmal fällt die Dringlichkeit nach zwei Tagen in sich zusammen und zeigt, dass die Entscheidung kleiner war, als sie schien. Manchmal verwandelt sie sich in etwas anderes, in Traurigkeit, Zorn oder Erleichterung, und das sagt mehr über die Sache als die Eile selbst. Und manchmal zeigt sich die Entscheidung ganz und ruhig; dann lässt sie sich ohne Hast treffen, ohne die Sorge, dass sie morgen kippt.

Und wenn die Frist echt ist und die Entscheidung trotzdem nicht klar?

Das ist die schwierigste Lage, und es hilft nichts, sie kleinzureden. Es gibt eine Frist mit Datum, Ihre Fachleute haben sie bestätigt, und Sie wissen noch immer nicht, was Sie wollen. Zehn Tage Abstand gibt der Kalender hier nicht her, wohl aber einen Abstand anderer Art.

Bitten Sie zuerst Ihren Anwalt oder, bei steuerlichen Fristen, Ihren Steuerberater, Ihnen genau zu sagen, was bis zu diesem Datum entschieden sein muss und was später folgen kann. Trennen Sie dann innerhalb dessen, was jetzt entschieden werden muss, das Fachliche vom Persönlichen. Das Fachliche bereiten Ihre Berater vor; das Persönliche ist Ihre Sache und verdient mindestens eine Nacht Bedenkzeit und ein Gespräch mit einem Menschen Ihres Vertrauens, der am Ausgang kein Interesse hat.

Und es gibt ein Drittes, weniger Offensichtliches. Fällt eine Entscheidung unter einer Frist, die Sie nicht gewählt haben, lohnt es sich festzuhalten, warum Sie sie so treffen und was Sie nicht zu Ende denken konnten, um darauf zurückzukommen, wenn die Frist vorbei ist. Manche rasch getroffenen Entscheidungen lassen sich später in Ruhe und mit Ihren Beratern überprüfen oder anpassen, andere nicht; welche, ist eine Frage an Ihren Anwalt, und zwar von Anfang an.

Ist die Frist verstrichen, hat das, was offen bleibt, keine Eile mehr: der Zweifel am Entschiedenen, das Gewicht, es so entschieden zu haben, die Frage, warum es immer gleich endet. Genau dann kann ein vertrauliches Gespräch sinnvoll werden.

Ein Gespräch ohne Uhr

Bleibt nach Ablauf der Frist, oder nachdem Ihre Fachleute ihren Teil getan haben, eine Entscheidung offen, oder tragen Sie schwer an einer, die Sie schon getroffen haben, können Sie uns Ihre Lage schildern. Der erste Schritt ist ein Gespräch per WhatsApp oder Telefon mit einem von uns beiden; auf Deutsch führt es Tony Alcalá. Sie erzählen, was Sie erzählen möchten, in der Reihenfolge, die Ihnen passt, und wir hören zu.

Unsere erste Frage lautet meist: „Seit wann?“ Schreibt uns jemand in Eile, richten wir sie an die Eile selbst: nicht, seit wann die Angelegenheit besteht, die oft weit zurückreicht, sondern seit welchem Tag sie drängt und was an diesem Tag geschah. Ein Anruf, ein Angebot, ein Gespräch, ein Datum, das plötzlich im Kalender stand. Die Antwort sagt viel darüber, welche Art von Eile es ist.

Danach prüfen wir, ob wir etwas beitragen können, und sagen es Ihnen klar, mit Begründung, wenn die Antwort Nein lautet. Lautet sie Ja, wird vor Beginn vereinbart, was wir tun, wie lange und zu welchem vorab festgelegten Betrag. Für Ihre Antwort können Sie sich so viele Tage nehmen, wie Sie brauchen. Wir beschreiben Schritt für Schritt, was geschieht, bevor wir einen Fall annehmen.

Häufige Fragen

Warum sollte man wichtige Entscheidungen nicht unter Zeitdruck treffen?

Weil der Zeitdruck oft an die Stelle der Entscheidung tritt, statt sie zu begleiten: Er übertönt den Zweifel und lässt etwas abschließen, das noch nicht durchdacht ist. Eine so getroffene Entscheidung gibt meist nach, sobald der Druck weg ist, und hinterlässt das Gefühl, die Umstände hätten entschieden. Schnell zu entscheiden ist nicht an sich falsch; falsch ist es, schnell zu entscheiden, um nicht entscheiden zu müssen.

Wie erkenne ich, ob etwas wirklich dringend ist?

Fragen Sie sich, was genau verloren geht, wenn die Entscheidung zehn Tage wartet, und schreiben Sie die Antwort mit Datum auf. Eine echte Frist hat ein bestimmtes Datum, steht in einem Dokument, lässt sich von einer Fachperson bestätigen, und ihre Folge kommt ohne Adjektive aus. Bleibt die Antwort vage oder lautet sie „ich halte es nicht mehr aus“, liegt die Dringlichkeit in Ihrem Zustand, nicht in der Sache. Im Zweifel klären Sie die Frist zuerst mit Ihrem Anwalt.

Wie lange sollte man über eine wichtige Entscheidung nachdenken?

So lange, bis Sie sehen, wie sich die Dringlichkeit verändert, und mit einem Enddatum, das Sie vorher festlegen; eine Zahl, die für alle gilt, gibt es nicht. Für viele persönliche Entscheidungen genügen einige Tage. Wo eine rechtliche oder steuerliche Frist besteht, bestimmt sie den Spielraum, und Ihr Anwalt oder, bei steuerlichen Fristen, Ihr Steuerberater nennt ihn Ihnen. Entscheidend ist, dass das Nachdenken ein Ende hat: Ohne Datum wird aus Bedenkzeit ein Aufschieben.

Was tun, wenn man zu einer schnellen Unterschrift gedrängt wird?

Lassen Sie das Dokument vor der Unterschrift von Ihrem Anwalt lesen, und fragen Sie ihn, was genau geschieht, wenn Sie eine Woche später unterschreiben. Bitten Sie außerdem darum, dass Ihnen die Frist schriftlich genannt wird, und fragen Sie, woher sie kommt; die Antwort, wie sie auch ausfällt, ist eine Information für Ihren Anwalt. Unterschreiben Sie bis dahin nichts, was Ihr Anwalt nicht gelesen hat, und kündigen Sie Ihre Entscheidung nicht an, bevor Sie sie getroffen haben.

Nehmen Sie auch dringende Fälle an?

Nein: Eilige Anfragen lehnen wir ab, und wir sagen das im ersten Gespräch, mit Begründung. Geht es um eine gesetzliche Frist, einen Notartermin oder eine gesundheitliche Frage, müssen Ihr Anwalt, Ihr Steuerberater, Ihr Notar oder Ihr Arzt zuerst tätig werden. In der Eile lässt sich nicht in Ruhe arbeiten, und Dringlichkeit ist der schlechteste Moment, um irgendetwas in Auftrag zu geben. Ist die Frist vorbei oder haben Ihre Fachleute ihren Teil getan und bleibt etwas offen, können Sie uns Ihre Lage schildern; das kostet nichts und verpflichtet Sie zu nichts.

Wenn Ihre Situation es erfordert, stellen Sie sie vor.

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